ADAC und Uni Magdeburg über Tacho-Trickserei

21 Nov 7:37 pm
Tacho Trickserei

Wer die Tagespresse und die Zeitschriften aufmerksam verfolgt, der liest immer mal wieder über die eine oder andere Betrugsmasche wie beispielsweise den Enkeltrick, Feuerlöscher-Betrüger die angeblich bei der Feuerwehr arbeiten oder Abzocker, die sich als Hausverwaltung ausgeben. Für den eigenen Geldbeutel aber richtiug gefährlich sind Betrügereien bei hochwertigen Gütern. Der Spiegel lieferte Ende Oktober sogar eine Schätzung des Schadens anhand von Polizeiangaben. Demnach würde diese Betrugsmasche bei einem Drittel der Gebrauchtwagen angewendet werden, der Schaden beliefe sich auf 6 Milliarden Euro pro Jahr.

Der ADAC und die Uni Magdeburg haben sich mit dem Thema des Tacho-Betrugs eingehender beschäftigt. Leider wird dieser in der öffentlichen Wahrnehmung noch zu oft als harmlose “Tacho-Trickserei” abgetan. Die Testergebnisse waren erstaunlich:

+ Als die elektronischen Tachometer erstmals in der öffentlichen Diskussion auftauchten, da sprach die Industrie von einer hardwarebasierten Lösung, die den Kilometerstand innerhalb von Chips bzw. nicht reprogrammierbaren Speichern weiterzählte. Bei Überschreiten einer bestimmten Kilometerschwelle sollte wieder ein weiterer Chip vollkommen gelöscht werden – ohne dass es eine Wiederherstellungsmöglichkeit des geringferen Kilometerstandes geben würde. Diese Idee wurde allerdings nicht in die Realität umgesetzt. Stattdessen wird überwiegend eine Lösung umgesetzt, die innerhalb der allgemeinen Fahrzeugelektronik und der Motorsteuerung vergleichsweise leicht zugänglich ist.

+ Demnach konnte die Uni Magdeburg bei allen drei getesten Fahrzeugtypen den Kilometerstand verblüffend einfach verändern. Mit einem Diagnosegerät – wie es wohl jede Werkstatt besitzt – konnte der Kilometerstand nicht nur einfach ausgelesen, sondern auch verändert werden. Dabei war keinerlei Decodierung notwendig, da der Kilometerstand nicht durch Verschlüsselungstehcnik geschützt wäre. Der neue Kilometerstand wurde einfach eingegeben und dann vom System übernommen. Wer diesen Vorgang genauer durchdenkt, der stellt fest: Es gibt wohl keinerlei Prüfroutine, die das Einspeisen eines geringeren als des bisherigen Kilometerwertes verhindern würde.

Dennoch können sich die Gebrauchtwagenkäufer relativ einfach und auch auf legale Weise wehren. Sie müssen nicht durch einen Privatdetektiv die Fahrgewohnheiten des Vorbesitzers ermitteln, stattdessen einfach ein paar Unterlagen einsehen. Damit kann der Sumpf erstaunich schnell und effektiv trockengelegt werden:

+ Lassen Sie sich vorm dem Gebrauchtwagenkauf auf alle Fälle das Service-Scheckheft zeigen und vergleichen Sie die jeweiligen KIlometerstände mit den letzten zwei oder drei Inspektions- und Reparaturrechnungen. Damit sehen Sie nicht nur, welche Teile erneuert worden sind, sondern bekommen auch einen Hinweis auf die tatsächlichen Kilometerstände.
+ Achten Sie auf ungewöhnliche Merkmale bei den Unterlagen. So ist es durchaus normal, dass manche Fahrzeuge im Sommer mehr als im Winter bewegt werden. Auch eine hohe jährliche Fahrleistung, die plötzlich abbricht, kann als wertvoller Hinweis interpretiert werden.

Wer beim Gebrauchtwagenkauf an die Möglichkeit des Tacho-Betrugs denkt, der kann sein Auto zu einem wesentlich faireren sowie ehrlicheren Wert kaufen und wird nicht mehr so leicht Opfer eines Betrugs.
Foto: Pixabay.com

Kommentare sind geschlossen